Hedwig Hintze-Gesellschaft
für historische Forschung und Bildung Bremen e.V.
und Hedwig Hintze-Institut Bremen

Hedwig Hintze (1884-1942) Historikerin

Bild von Hedwig Hintze

Hedwig Hintze wurde am 6. Februar 1884 als erste Tochter der bekannten Bankiersfamilie Guggenheimer in München geboren. Trotz der jüdischen Herkunft der Eltern wurde sie evangelisch getauft und erzogen, scheint aber im Laufe ihres Lebens wenig Kontakt zur Religion gehabt zu haben.

Nach dem Lehrerinnenexamen und externen Abitur immatrikulierte sie sich 1910 an der Berliner Universität in den Fächern Geschichte, Nationalökonomie und französische Literatur. Sie heiratete 1912 ihren wesentlich älteren Lehrer, den Berliner Historiker und Professor an der Humboldt-Universität Otto Hintze. Nach Unterbrechungen ihres Studiums durch den ersten Weltkrieg und die Pflege ihres kranken Mannes promovierte sie 1924, 1928 reichte sie als zweite deutsche Historikerin nach Ermentrude Bäcker von Ranke ihre Habilitationsschrift ein.

Ihre Themen kreisten um die Verfassungsgeschichte der Französischen Revolution, um sozialgeschichtliche Fragestellungen und um die Rezeption der französischen Geschichtsschreibung in Deutschland. Seit 1926 arbeitete sie an der Historischen Zeitschrift (HZ) mit, ab 1929 auch als Privatdozentin an der Berliner Universität. Ihre pro-französische und linksliberale politische Einstellung, ihre positive Haltung zum Völkerbund und zu Fragen der internationalen Verständigung trugen ihr wohl Anerkennung, aber auch deutliche Ablehnung ein.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurde sie auf Grund ihrer jüdischen Herkunft von den Herausgebern der HZ in vorauseilendem Gehorsam schon im Mai 1933 entlassen und im Herbst von der Universität verwiesen. Sie ging zunächst ins Exil nach Paris, wo sie einige Jahre im französischen Zentrum zur Erforschung der Revolution von 1789 arbeiten konnte. Kurz vor Kriegsausbruch floh sie in die Niederlande, in der Hoffnung eine Ausreisegenehmigung zu bekommen. Nach dem Tod ihres Mannes 1940 und gescheiterten Einreiseversuche in die USA, ohne finanziellen Rückhalt und seelisch am Ende nahm sie sich vermutlich - unter noch nicht ganz geklärten Umständen - am 19.Juli 1942 in Utrecht das Leben.

Hedwig Hintzes Nachlass ist weitgehend verschollen, ihre zahlreichen Schriften wurden für lange Zeit vergessen. Erst in jüngster Zeit wird die Erinnerung an diese bedeutende Historikerin, die sich durch Forschungen zur Verfassungsgeschichte Frankreichs und zur Theorie und Methodologie der Geschichtsschreibung einen weithin bekannten Namen machte, durch vereinzelte Veröffentlichungen wieder geweckt.

Die Erforschung ihrer Schriften und ihres Lebens, die Edition ihrer lang vergessenen Schriften und die Bekanntmachung ihres Werkes im Fächerkanon der Geschichtswissenschaften hat sich das Hedwig Hintze-Institut Bremen zur Aufgabe gesetzt. Die Gründung der Hedwig Hintze-Gesellschaft für historische Forschung und Bildung e.V. Bremen dient dem gleichen Zweck, aber auch der Nachwuchsförderung. Vor einigen Jahren wurde zudem ein Förderpreis für NachwuchshistorikerInnen seitens des deutschen Historikerverbandes geschaffen, der ihren Namen trägt.

Auch das Historische Institut der Freien Universität Berlin hat einen Förderpreis für junge Wissenschaftlerinnen gestiftet, der den Namen Hedwig Hintzes trägt.

Autorin: Dr. Elisabeth Dickmann